13.05.2015

Schmerzensgeld für Lokführerin nach versuchtem Selbstmord

Das AG München verurteilte eine 23-jährige , die in Suizidabsicht vor einen Zug sprang, an die Lokführerin Schmerzensgeld in Höhe von 1500 € zu zahlen.

Die Lokführerin erlitt durch den Sprung der Suizidentin vor ihren Zug einen psychischen Schock und eine posttraumatische Belastungsstörung. Das Amtsgericht sah darin eine Körperverletzung und sprach ihr ein Schmerzensgeld in Höhe von € 1500 zu.

Die Beklagte hatte die Zahlung verweigert. Sie trug vor, dass sie zum Zeitpunkt des Geschehens an einer krankhaften Störung Ihrer Geistestätigkeit litt.

Sie legte ein ärztliches Attest über eine Persönlichkeitsstörung vom Borderlinetyp und Bestätigungen über einen stationären Klinikaufenthalt wegen selbstverletzender Verhaltensweisen (Ritzen) aus der Vergangenheit vor. Sie konnte aber nicht nachweisen, dass Sie zum Unfallzeitpunkt derart erkrankt war, dass sie in ihrer Schuldfähigkeit beeinträchtigt war.

Ob der Suizident Schuldunfähig war, wird regelmäßig aus dem Grund des Suizidversuchs ermittelt. Bei einem Suizidversuch, der als spontane Reaktion auf eine schwere Lebenskatastrophe verübt wird, mag die Fähigkeit zur freien Willensbestimmung zeitweilig aufgehoben sein. Beim langgeplanten Selbstmord mit Abschiedsbriefen (sog. Bilanzselbstmord) wird dies jedoch anders beurteilt werden.